Sonderpreise für „Aurich zeigt Gesicht“ und Rosi Knoke Landkreis würdigt herausragendes Engagement für Demokratie.

Der Landkreis Aurich hat erstmals den Carl-Osterwald-Preis verliehen. Bei einer Feierstunde am Dienstagabend im Ständesaal der Ostfriesischen Landschaft in Aurich wurde Jochen Risto aus Pewsum mit dem Hauptpreis ausgezeichnet. Zwei Sonderpreise gingen an den Verein „Aurich zeigt Gesicht“ sowie an Rosi Knoke aus Norden. Mit den Auszeichnungen würdigt der Landkreis Menschen und Initiativen, die sich in besonderer Weise für demokratische Werte, gesellschaftliche Teilhabe und ein respektvolles Miteinander einsetzen. Der Carl-Osterwald-Preis erinnert an den 2024 verstorbenen Pastor Carl Osterwald, der sich zeitlebens für Menschlichkeit, Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt engagierte. Mit der erstmaligen Verleihung setzt der Landkreis Aurich ein Zeichen für die Bedeutung des demokratischen Engagements vor Ort. Eine fünfköpfige Jury, bestehend aus Rico Mecklenburg (Präsident der Ostfriesischen Landschaft), Hilke Osterwald (Vorsitzende des Vereins Gedenkstätte KZ Engerhafe), Hans Forster (Initiator und Vorsitzender der Kreisausschuss für Arbeit, Soziales und Integration), Lennart Bohne (Leiter der Dokumentationsstätte Gnadenkirche Tidofeld) und Dr. Kerstin Weinbach (Partnerschaft für Demokratie im Landkreis Aurich), hat die zahlreichen Bewerbungen gesichtet und sich letztlich für die Preisträger entschieden.

Jochen Risto: Ein Leben für die Gemeinschaft

Der Hauptpreis ging an Jochen Risto aus Pewsum, der sich seit Jahrzehnten mit außergewöhnlicher Tatkraft und großem persönlichem Einsatz für das gesellschaftliche Leben in der Krummhörn engagiert. Die Auszeichnung ist mit 3000 Euro Preisgeld dotiert. Sein Wirken ist vielfältig, generationenübergreifend und tief mit seiner Heimat verbunden. Dabei hat er immer wieder Verantwortung übernommen, Menschen zusammengebracht, neue Ideen angestoßen und das gemeinschaftliche Leben aktiv mitgestaltet.

Besonders zeichnet ihn aus, dass er sein Engagement nicht auf einzelne Aufgaben oder Funktionen beschränkt. Vielmehr versteht er das Ehrenamt als Möglichkeit, Menschen miteinander zu verbinden, Gemeinschaft zu fördern und gesellschaftliche Entwicklungen positiv zu beeinflussen. Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei, auch jungen Menschen Raum zu geben, Verantwortung zu übernehmen, eigene Ideen einzubringen und ihr Lebensumfeld mitzugestalten.

Jochen Risto steht damit beispielhaft für eine gelebte Demokratie, die nicht erst in politischen Gremien beginnt, sondern unmittelbar vor der eigenen Haustür: im Verein, in der Nachbarschaft und überall dort, wo Menschen gemeinsam etwas bewegen. Sein Engagement ist geprägt von Verlässlichkeit, Offenheit und der Überzeugung, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt vom persönlichen Einsatz jedes Einzelnen lebt.

Dabei stellt er nie die eigene Person in den Vordergrund. Ihm geht es um die Sache, um die Menschen und darum, etwas Bleibendes für die Gemeinschaft zu schaffen. Mit seinem jahrzehntelangen Wirken hat Jochen Risto das gesellschaftliche Leben in der Krummhörn auf vielfältige Weise mitgeprägt. Die Verleihung des ersten Carl-Osterwald-Preises würdigt deshalb nicht nur einzelne Verdienste, sondern eine Lebenshaltung, die in besonderer Weise für Verantwortung, Mitmenschlichkeit und demokratisches Handeln steht.

„Mein Ziel ist es immer, etwas zu bewegen und andere dabei mitzunehmen“, sagte ein sichtlich überraschter Jochen Risto, der den Preis voller Dankbarkeit annahm.

Sonderpreis „Demokratie stärken – Gemeinsam handeln“ für Aurich zeigt Gesicht

Mit diesem Sonderpreis, mit dem 500 Euro verbunden sind, wurde der Verein „Aurich zeigt Gesicht“ ausgezeichnet. Das Demokratiebündnis engagiert sich seit rund acht Jahren für Demokratie, Menschenrechte und gesellschaftliche Vielfalt. Mit zahlreichen Veranstaltungen, Aktionen und niedrigschwelligen Angeboten gelingt es dem Verein, Menschen unterschiedlicher Generationen anzusprechen und zum Mitmachen zu bewegen.

Besonders hervorzuheben sind die Theaterprojekte für Schülerinnen und Schüler sowie eine außergewöhnliche Wanderausstellung zu den Menschenrechten. Dabei setzten 30 Künstlerinnen und Künstler die 30 Artikel der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte künstlerisch um. Die Ausstellung wurde unter anderem in Aurich, Wiesmoor und Norden gezeigt. Der Verein hat zudem ein breites Netzwerk aus Verwaltungen, Vereinen und engagierten Menschen aufgebaut. Er zeigt damit, wie demokratisches Engagement durch gemeinsames Handeln sichtbar und wirksam werden kann. Jörg Köhler und Heike Pilk nahmen den Preis stellevertretend entgegen:

„Wir sehen positiv nach vorn, denn es gibt so viele Menschen, die so sind wie wir“, sagte Heike Pilk in ihrer kurzen Dankesrede.

Sonderpreis „Demokratie stärken – Haltung zeigen“ für Rosi Knoke

Der zweite Sonderpreis, dotiert mit ebenfalls 500 Euro, ging an Rosi Knoke aus Norden. Seit vielen Jahrzehnten engagiert sie sich mit außergewöhnlicher Ausdauer für ihre Mitmenschen und das gesellschaftliche Miteinander. Trotz zahlreicher bereits erfahrener Ehrungen ist ihr Einsatz bis heute ungebrochen.

Rosi Knoke steht für eine Haltung, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt: helfen, zuhören, ermutigen und unterstützen, aber auch deutlich Position beziehen, wenn gesellschaftliche Entwicklungen dem respektvollen Miteinander entgegenstehen. Dabei sucht sie nicht das Rampenlicht, sondern handelt aus tiefer persönlicher Überzeugung. Ihr Engagement reicht in seiner Vorbildwirkung weit über die Stadtgrenzen Nordens hinaus. Sie macht deutlich, dass Demokratie nicht allein von politischen Institutionen lebt, sondern vor allem von Menschen, die Verantwortung füreinander übernehmen.

„Wenn ich diese Worte höre, denke ich immer, dass bin ich doch gar nicht“, betonte Rosi Knoke während der Preisverleihung in aller Bescheidenheit, aber voller Dankbarkeit.

Demokratie lebt vom Mitmachen

Die erstmalige Verleihung des Carl-Osterwald-Preises macht deutlich, wie vielfältig das demokratische Engagement im Landkreis Aurich ist. Die zahlreichen eingereichten Vorschläge zeigen, dass sich viele Menschen mit großer Leidenschaft für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Toleranz und Mitbestimmung einsetzen.

„Demokratie ist weit mehr als eine Staatsform. Sie ist eine Haltung, die jeden Tag aufs Neue gelebt werden muss. Sie braucht Menschen, die nicht wegsehen, sondern sich einmischen, die Brücken bauen und Verantwortung übernehmen. Unsere Preisträgerinnen und Preisträger stehen beispielhaft für dieses Engagement. Sie zeigen, dass jeder Einzelne etwas bewegen kann und dass Demokratie dort besonders stark ist, wo Menschen füreinander einstehen“, betonte Landrat Olaf Meinen.

Mit dem Carl-Osterwald-Preis möchte der Landkreis Aurich dieses Engagement sichtbar machen, würdigen und zugleich andere Menschen ermutigen, sich für die demokratische Gemeinschaft einzusetzen. Denn eine lebendige Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit – sie braucht Menschen, die sie tragen und gestalten.

Für die erstmalige Verleihung des Carl-Osterwald wurden insgesamt 23 Vorschläge eingereicht. 19 von ihnen wurden von der Jury nominiert und aus ihnen wurden per Abstimmungsverfahren die drei Preisträger ermittelt. Folgende 19 Institutionen, Vereine und Einzelpersonen wurden nominiert:

  • Gruppe GleichArt Café, Norden
  • Förderkreis Jugendzentrum Schlachthof Aurich e.V., Aurich
  • Malteser Hilfsdienst e.V., Aurich
  • Ökumenischer Arbeitskreis Synagogenweg Norden e.V., Norden
  • Vereinigung „Aurich ist Bunt“, Aurich
  • Vereinigung „Omas gegen Rechts“, Aurich
  • Verein Lesetoll e.V., Aurich
  • Netzwerk Geflüchtete Norderney, Norderney
  • Aktion „Lüttje Heores“, Aurich
  • Heimatverein Schottjer Dreesche e.V., Upgant-Schott
  • Bündnis „Aurich zeigt Gesicht“, Aurich
  • Jugendgruppe „Baumhaus“, Aurich
  • Grundschule Wiesmoor-Mitte, Wiesmoor
  • Marktpavillion – Kulturbrennerei DoKa e.V., Norden
  • Theater Lazarett, Inszenierung „Uplengen“, Aurich
  • Einzelvorschlag Jochen Risto, Pewsum
  • Leinerstift Jugendhilfe gGmbH, Großefehn
  • Einzelvorschlag Inga Graber, Norden – „Der Graben“ Einzelvorschlag Rosi Knoke, Norden