Einsatzkräfte üben Chemikalienunfallbekämpfung im Watt
Havariekommando bereitet landseitige Kräfte auf maritime Schadenslagen vor.
Es ist dunkel und regnerisch, als die ersten Feuerwehreinheiten am Samstagmorgen (17. Oktober) mit Blaulicht zum Übungsgelände bei Norden-Utlandshörn fahren. Bei der Chemikalienbekämpfungsübung trainieren rund 160 Einsatzkräfte, wie gefährliche Stoffe nach einem Schiffsunfall im Watt geborgen und die Maßnahmen vor Ort koordiniert werden können. Im Mittelpunkt steht eine besondere Zusammenarbeit: Landseitige Einsatzkräfte üben für einen Einsatz im maritimen Bereich.
Die Übung findet zum dritten Mal statt. Nach vorherigen Übungen in den Landkreisen Friesland und Wittmund ist in diesem Jahr der Landkreis Aurich Gastgeber. Das Havariekommando, gemeinsame Einrichtung des Bundes und der Küstenländer mit Sitz in Cuxhaven, hat die Übung initiiert und gemeinsam mit dem Landkreis und dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) organisiert.
Landseitige Kräfte für maritime Schadenslagen vorbereiten
Das Havariekommando koordiniert das Unfallmanagement bei komplexen Schadenslagen auf See und an den Küsten. Bei großen Schiffsunfällen mit Folgen für die Küste greift die Bund-Länder-Gemeinschaft auf die landseitigen Gefahrenabwehrkräfte zurück, die bereits in den betroffenen Regionen vorhanden sind. Übungen wie diese bereiten die Kräfte darauf vor, auch Chemikalienunfälle im maritimen Bereich zu bekämpfen, in diesem Fall im schwer zugänglichen Watt. Dabei lernen sie auch, das vom Havariekommando bereitgestellte Spezialgerät zur Schadstoffunfallbekämpfung einzusetzen.
Ziel der Übung war außerdem, Abläufe und Kommunikationswege zwischen dem Havariekommando, dem Landkreis und den beteiligten Organisationen zu überprüfen und weiterzuentwickeln.
Vom Schiffsunfall zum Einsatz an Land
Das angenommene Szenario begann mit der Kollision eines Containerschiffs mit einem Massengutfrachter nördlich von Borkum. Das Containerschiff verlor zahlreiche Container, von denen einige gefährliche Stoffe und Güter enthielten. Nach einer Driftberechnung des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie war zu erwarten, dass Container und Ladungsteile zwischen Borkum und Juist in Richtung Leybucht treiben und das Festland erreichen.
Das Havariekommando alarmierte daraufhin den Landkreis Aurich und beauftragte ihn mit den erforderlichen Maßnahmen vor Ort. Hier setzte die Übung an: Die örtlichen Strukturen wurden aktiviert und die Feuerwehreinheiten alarmiert. Sie erkundeten die Lage und übten die Bergung gefährlicher Stoffe im Watt sowie einer kontaminierten Person, dargestellt durch eine Übungspuppe. Zum Einsatz kamen dabei unter anderem Feuerwehrleute in schweren Chemikalienschutzanzüge und Hägglunds-Kettenfahrzeuge, die sich für schwer zugängliches Gelände eignen.
Wichtige Erkenntnisse und starke Zusammenarbeit im Einsatzgebiet
so Übungsleiter Sebastian Kroll vom Havariekommando, Fachbereich „Schadstoffunfallbekämpfung Küste“, in seinem Fazit am Ende der Übung.
ergänzt Thomas Weege, stellv. Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Norden und Einsatzleiter während der Übung.
An der Übung beteiligt waren neben dem Havariekommando, dem Landkreis Aurich und dem NLWKN (Betriebsstelle Norden und Bauhof Hilgenriedersiel) die Feuerwehrtechnischen Zentralen der Landkreise Wittmund und Friesland, der Gefahrgutzug und der ABC-Zug des Landkreises Aurich sowie der Gefahrgutzug der Feuerwehr Norden. Unterstützt wurde die Übung durch das Deutsche Rote Kreuz, die Fachberatung Chemie der Kreisfeuerwehr Aurich sowie die THW-Ortsverbände Jever, Norden und Oldenburg, das THW-Ausbildungszentrum Neuhausen und das Mediatem des THW-Landesverbandes Niedersachsen Bremen.







