Erkunderdrohne rettet wertvolle Minuten
Ein Kraftstoffaustritt im Hafen, eine vermisste Person im Watt, eine Gefahrgutübung auf See – in all diesen Fällen war die Erkunderdrohne der FLN FRISIA-Luftverkehr GmbH Norddeich (im Folgenden FLN FRISIA) bereits vor den ersten Einsatzkräften über der Einsatzstelle und lieferte binnen Minuten wichtige Lagebilder. Seit dem Start des Pilotprojekts Anfang 2025 hat das stationäre Drohnensystem über 20 Einsätze absolviert und dabei eindrücklich bewiesen: In kritischen Minuten kann ein Luftbild entscheidend sein.
Idee, Initiative und Technologie
Die FLN FRISIA hatte in der vergangenen Woche Vertreter der Landkreise Aurich, Leer und Wittmund zum Flugplatz Norden-Norddeich eingeladen, um die ersten sechs Projektmonate vorzustellen. Geschäftsführer Olaf Weddermann erläuterte Ursprung und Zielsetzung:
"Wir wollen, dass die Leitstelle und die anrückenden Kräfte schon beim Eintreffen wissen, was sie erwartet – nicht erst, wenn die ersten Fahrzeuge vor Ort sind."
Das Projekt wurde gemeinsam mit der Freiwilligen Feuerwehr Norden und der Kooperativen Regionalleitstelle Ostfriesland AöR (KRLO) initiiert. Die gesamte Technik – ein DJI-System bestehend aus der Dockingstation Dock 3 und der Hochleistungsdrohne Mavic 4 TD – sowie speziell ausgebildete Drohnenpiloten stellte die FLN FRISIA vollständig in Eigenleistung zur Verfügung. Die Fernsteuerung und Datenspeicherung erfolgt über eine Softwarelösung der Firma DroneS Control, die sämtliche Bild- und Videodaten DSGVO-konform auf deutschen Servern verarbeitet.
20 Einsätze – und der entscheidende Zeitvorsprung
Drohnenpilot Thomas Weege berichtete von den ersten Einsätzen und gewonnenen Erkenntnissen. Die Drohne ist bereits über 20 Mal automatisiert aus ihrer Dockingstation gestartet. Die Livebilder sind per Link unmittelbar für alle beteiligten Behörden abrufbar.
Besonders in der touristisch und maritim geprägten Küstenregion zahlt sich dieser Zeitvorsprung aus: Bei einem Seenotfall im Watt kann die Wärmebildkamera nachts Havaristen lokalisieren, noch bevor das erste Rettungsboot ausläuft. Fragen wie "Wie viele Personen sind im Wasser?" oder "Wie ist der Zustand des Schiffes?" lassen sich so bereits in den ersten Minuten beantworten.
Ergänzung, keine Konkurrenz
Die stationäre Erkunderdrohne ist bewusst als Ergänzung zu den mobilen Feuerwehrdrohnen konzipiert, nicht als Ersatz. Sie liefert einen schnellen Überblick in den ersten kritischen Minuten – solange die Feuerwehr noch anrückt und ihre eigene Drohne noch nicht in der Luft ist. Durch die feste Stationierung ist ihr Einsatzgebiet auf einen Radius von zehn Kilometern begrenzt.
Ausblick: Acht Drohnen für die gesamte Küstenlinie
Henning von Busch, stellvertretender Leiter der KRLO, skizzierte das Zukunftsbild: Mit etwa acht strategisch platzierten Stationen ließe sich die gesamte ostfriesische Küstenlinie abdecken – sodass innerhalb von rund zehn Minuten von jedem Einsatzort erste Luftbilder vorliegen. Die anwesenden Landräte der Kreise Leer und Wittmund sowie Vertreter des Bevölkerungsschutzes aus Aurich unterstützen dieses Ziel ausdrücklich.
Bianca Bremer, Geschäftsführerin der KRLO, dankte der FLN FRISIA für die kostenlose Bereitstellung des Pilotprojekts:
"Was hier in sechs Monaten aufgebaut wurde, zeigt das enorme Potenzial für die Sicherheit an unserer Küste."
Als nächsten Schritt wollen KRLO und FLN FRISIA gemeinsam Fördermittel für eine zweite Drohnenstation an einem weiteren Standort beantragen.