Umschulung in Teilzeit? Mit Hilfe des Jobcenters geht das

Umschulung in Teilzeit? Mit Hilfe des Jobcenters geht das

Individuelle Unterstützung beim Erwerb eines Berufsabschlusses

Familie zu haben ist ein großes Glück - eigentlich. Für einen Berufseinstieg bzw. Wiedereinstieg in den Beruf kann die Familie jedoch auch ein Hindernis sein. Denn eine reguläre Berufsausbildung mit einer 40 Stunden-Woche ist mit Kindern oder pflegebedürftigen Angehörigen ohne weitere Unterstützung kaum zu stemmen. „Für diese Fälle braucht es andere Rahmenbedingungen“, erklärt Antje Ommen, Arbeitsvermittlerin im Jobcenter des Landkreises Aurich und unter anderem zuständig für die Ausbildungsmöglichkeiten in Teilzeitform.

Für Personen mit einem wichtigen Grund, wie die Erziehung eines Kindes, ist es grundsätzlich möglich, eine Ausbildung - bzw. im Erwachsenenalter eine Umschulung - in Teilzeitform zu absolvieren. Doch auch dann ist eine Umschulung immer noch eine große Herausforderung. Deshalb bietet das Jobcenter Aurich in Zusammenarbeit mit der Kreisvolkshochschule Aurich die „betrieblich betreuten Umschulungshilfen (ubH)“ an.

Als erfolgreiches Beispiel nennt Antje Ommen den Fall einer alleinerziehenden Mutter. Mareike Binoit startete 2014 als Mutter einer einjährigen Tochter die Umschulung zur Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten und steht nun kurz vor ihrer Abschlussprüfung. „Ohne die individuelle Unterstützung während der Umschulungszeit durch meine Ansprechpartner der KVHS Aurich und dem Jobcenter Aurich wäre es noch schwerer gewesen. Ich konnte mit meinen persönlichen Problemen und beruflichen Belangen immer jemanden erreichen“, berichtet Binoit.

Die Umschulungsbegleitung bietet jedem Umschüler, überwiegend jungen Müttern, persönliche und individuelle Unterstützung an. Dies ist wichtig, denn in den drei Jahren der Umschulungsphase wird den Teilnehmern eine hohe Motivation und starkes Durchhaltevermögen abverlangt, um das Ziel zu erreichen. So schafft es dann auch über die Hälfte aller begleiteten Umschüler bis zum Berufsabschluss.

Die Bedeutung des eigenen Berufsabschlusses und der damit verbundenen wesentlich verbesserten Chancen auf dem Arbeitsmarkt unterstreicht auch die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) des Jobcenters, Beate Eggers: „Ohne den Berufsabschluss bleibt häufig nur der Helferbereich, in dem es überproportional häufig Schichtdienst und befristete Arbeitsverhältnisse gibt. In diesen Bereichen wird zumeist nur der Mindestlohn gezahlt, der eine Familie mit Kindern nicht aus der Hilfsbedürftigkeit entlässt.“ Bei Bedarf informiert Beate Eggers über bestehende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder im Landkreis Aurich.

„Meine Arbeitszeiten in der Kanzlei Backer-Balder-Mertens in Aurich konnte ich an die Kita Zeiten meiner Tochter anpassen, lediglich den Berufsschulunterricht musste ich wie ein Vollzeit-Azubi besuchen“ sagt Binoit. Und ihr Chef Christian Mertens fügt hinzu „Wir sind mit Frau Binoit sehr zufrieden und werden uns wieder als Umschulungsbetrieb für das Projekt zur Verfügung stellen.“

 

Interessierte Unternehmen und junge Eltern können sich für Beratungsgespräche an das Jobcenter Aurich,  Antje Ommen, erreichbar unter Telefon 04941 16-5734, wenden.