Theuerkauf: Alle Landräte in Niedersachsen gegen die Forderung der 5-Zügigkeit von IGS-Neugründungen

Theuerkauf: Alle Landräte in Niedersachsen gegen die Forderung der 5-Zügigkeit von IGS-Neugründungen

Der Verzicht auf das „Turbo-Abitur“ an Gesamtschulen sowie auf die Vorgabe einer 5-Zügigkeit bei der Gründung neuer Gesamtschulen sind die Kernthemen einer Resolution, die der Kreisausschuss des Landkreises Aurich in seiner Seitzung am 12. Juni 2009 mit großer Mehrheit beschlossen und damit auf den Weg nach Hannover gebracht hat.

In der von der SPD-Fraktion zunächst in den Schulausschuss und dann in den Kreisausschuss eingebrachten Resolution wird die Sorge des Landkreises Aurich um den Fortbestand des breit gefächerten schulischen Angebotes gerade im ländlichen Raum zum Ausdruck gebracht. Der Landkreis als Schulträger von 17 Schulen verschiedenster Ausrichtungen bekenne sich zu seiner Verantwortung, dieses Nebeneinander verschiedener Schulformen mit vielfältigem Angebot aufrecht zu erhalten.

Der Kreistag des Landkreises Aurich beobachte deshalb mit Sorge, dass sich die Rahmenbedingungen schulischen Lernens und Arbeitens seitens des Landes in den letzten Jahren verschlechtert haben. Der Elternwille werde dabei missachtet. Als Schulträger werde der Landkreis Aurich auch zukünftig nichts unversucht lassen, um für das Lernen und Lehren optimale Voraussetzungen zu schaffen. Dies erwarte der Kreisausschuss auch vom Land Niedersachsen.

Eine wesentliche Forderung der Resolution ist der Verzicht des Landes auf die 5-Zügigkeit von neu zu gründenden Gesamtschulen. Diese vom Land aufgebaute Hürde widerspreche dem Wunsch der Eltern nach einer ortsnahen Beschulung und gefährde insbesondere die bestehenden Schulstandorte im ländlichen Raum.

Als ebenso wichtig betrachtet der Kreisausschuss seine Forderung, auf die Einführung des „Turbo-Abis“ an Gesamtschulen zu verzichten; die Landesregierung solle alle Planungen ad acta legen, das Abitur auch an Gesamtschulen nach 8 Jahren abzulegen. Dies sei ein massiver Angriff auf die Grundkonzeption der Integrierten Gesamtschule und sei deshalb abzulehnen, da das pädagogische Konzept der IGS ein möglichst langes gemeinsames Lernen nach dem Vorbild der in den Pisa-Studien international erfolgreicher Länder vorsehe.

Weitere in der Resolution des Kreisausschusses gestellte Forderungen betreffen die nachhaltige Unterrichtsversorgung an allen Schulen, den Erhalt der Vollen Halbtagsschulen, die Wiedereinführung der Lernmittelfreiheit sowie ein verlässliches Konzept zur vorgesehenen Verzahnung der Hauptschulen mit den Berufsschulen, um Benachteiligung von Hauptschülern aus ländlichen Regionen zu verhindern.

Landrat Walter Theuerkauf bezeichnete die Erfordernis der 5-Zügigkeit von Gesamtschulen als pädagogisch nicht begründet; es sei erwiesen, dass auch 4-zügige Schulen wie der IGS Aurich-Ost gute Erfolge haben. Die Forderung nach einer 5-Zügogkeit führe schon mittelfristig zu einer unerwünschten Schulkonzentration im ländlichen Raum. In dieser Beurteilung seien sich die Landräte in ganz Niedersachsen parteiübergreifend einig.

Und zum Thema „Turbo-Abi“ sagte Landrat Theuerkauf, dass dieser Vorstoß der Landesregierung vor allem darauf abziele, die pädagogische Arbeit der Gesamtschulen zu verändern – und zwar in Richtung auf mehr Leistungsdifferenzierung, aber weniger gemeinsames Lernen. „Das wollen Schüler und Eltern nicht“, sagte der Theuerkauf wörtlich.