Niedersächsischer Filmkanon revolutioniert die Filmanalyse im Schulunterricht

Niedersächsischer Filmkanon revolutioniert die Filmanalyse im Schulunterricht

Sämtliche 55 Medienzentren in Niedersachsen können ab sofort an die Schulen die ersten drei Filme der Reihe „Der Niedersächsische Filmkanon“ ausleihen, die in den kommenden zehn Jahren auf insgesamt 30 Filme erweitert werden soll.

In den Unterrichtsmaterialien werden einzelne Ausschnitte der Filme dazu benutzt, Besonderheiten des Mediums Film aufzuzeigen, zu analysieren und nachzuarbeiten. Es wird also nicht jeder Film völlständig analysiert, um so die Neugier zu wecken, den Film privat ganz anzuschauen.

Die Schüler erhalten Einblicke in die Filmgeschichte und lernen an verschiedenen Filmen einzelne Entwicklungsschritte der Filmsprache kennen, die im Laufe der Jahre immer ausgefeilter, diffizieler und ausdrucksstärker geworden ist.

Getreu dem Motto „Weniger ist mehr“ werden pro Film durchschnittlich jeweils nur zwei oder drei Sequenzen näher betrachtet, an denen die Schüler erlernen können, wie dieser und damit auch andere Filme aufgebaut sind. So soll ihr Interesse am Medium Film geweckt, sie gleichzeitig aber auch motiviert werden, selber Filme zu machen. Deshalb werden jedes Jahr drei neue (alte) Filme ausgewählt, die für die inhaltliche oder künstlerische Entwicklung des Films beispielhaft sind.

Einen solchen Filmkanon gab es vorher bundesweit noch nicht. Auf dem Markt gibt es zwar dicke Bücher über jede Einzelheit, die in den im Unterricht behandelten Filmen beachtet werden soll, aber mit dem jetzt vorliegenden Filmkanon können auch Lehrer, die bisher noch keine Filmanalyse unterrichtet haben, nach entsprechender Vorbereitung vor die Klasse treten.

Motor des Filmkanons ist der Auricher Lehrer Franz Traxler, der seit 25 Jahren an der IGS Aurich-West – früher im Deutschunterricht und heute im WPK Medien – mit seinen Schülern Filmanalyse betreibt. Traxler, der zugleich als medienpädagogischer Berater das Medienzentrum des Landkreises Aurich leitet, hat den Niedersächsischen Filmkanon im Auftrag des Nds. Kultusministeriums entwickelt; hierzu stand ihm eine Arbeitsgruppe zur Seite, der u.a. der freie Medienpädagoge Friedemann Schuchardt aus Stuttgart angehört.

Die Unterrichtsmaterialien, die in DVD-Hüllen verpackt sind, enthalten neben dem Originalfilm auf DVD eine didaktische DVD, auf der sich Materialien und Module befinden wie einzelne Filmausschnitte, das Filmplakat, Literaturhinweise, Arbeitsblätter für die Schüler sowie Audio-Material wie Geräusche oder die Originalmusik, die in dem Film verwendet wird. Dieses Begleitmaterial kann per Mausklick auf der interaktiven DVD aufgerufen werden; hierzu muss man auf dem als virtueller Schneidetisch gestalteten Desktop bestimmte Flächen anwählen.

So findet sich hier ein Storyboard zum praktischen Üben der Filmmontage und der Wirkung der einzelnen Kameraeinstellungen. Die Filmsprache hat ihre eigenen Regeln und will wie eine Fremdsprache erlernt werden. Filmanalyse ist dabei eine der Grundvoraussetzungen bei der Vermittlung von Medienkompetenz.

Franz Traxler möchte mit dem Filmkanon zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: die Schüler in der Filmanalyse fit machen und sie gleichzeitig ermutigen, eigene Filme zu drehen und diese dann im Rahmen der lokalen Filmklappen bzw. der Niedersachsen Filmklappe zu präsentieren. Der Film sei schließlich ein Massenmedium, und einen Film nur für sich selbst zu drehen, sei ein Widerspruch in sich.

Die ersten drei Filme des Niedersächsischen Filmkanons sind „M – eine Stadt sucht einen Mörder“, „2001: Odyssee im Weltraum“ und „Der Untertan“. Schwerpunkte der Filmanalyse sind dabei z.B. die Parallelmontage, Möglichkeiten der dramatischen Zuspitzung, Musik im Film, die Zeitlupe, der Verbindungsschnitt, die satirische Übertreibung, die Literaturverfilmung und die Perspektive.

Der günstige Preis, für den diese Unterrichtsmaterialien den Medienzentren zur Ausleihe zur Verfügung gestellt werden können, erklärt sich durch den Erwerb von Landeslizenzen für die einzelnen Filme sowie durch Übernahme der Entwicklungs- und Herstellungskosten der DVD’s durch das Niedersächsische Landesamt für Lehrerbildung und Schulentwicklung (NiLS).

Helmut Meyer vom Medienzentrum des Landkreises Aurich ist für die technische Umsetzung des Niedersächsischen Filmkanons zuständig; hier präsentiert er die neben einer klassischen 16-mm-Spielfilmrolle die ersten drei DVD-Cover.