Nicht die Kinder beschäftigen, sondern wissen, was Kinder beschäftigt

Nicht die Kinder beschäftigen, sondern wissen, was Kinder beschäftigt

Mit der Übergabe der Teilnahmezertifikate endete am Dienstag im Weiterbildungszentrum Norden nach eineinhalb Jahren die Fortbildungsreihe zur Qualitätsentwicklung und Qualitätssicherung in den Kindertagesstätten im Landkreis Aurich.

Alle Redner werteten die Initiative, die mit der Auftaktveranstaltung am 28. November 2006 im Seminarhotel Aurich begonnen hatte, als großen Erfolg. Insgesamt hatten sich 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, allesamt Leitungskräfte aus den Einrichtungen, in vier Durchgängen von jeweils acht Modulen mit dem Seminarthema auseinandergesetzt.

Gruppenbild der Kursteilnehmer

 

Für die vom Jugendamt des Landkreises Aurich gestartete Fortbildungsreihe konnten das Niedersächsische Kultusministerium und die beiden kreiseigenen Volkshochschulen als Partner gewonnen werden. Erster Kreisrat Harm-Uwe Weber sagte, dass nun insbesondere die Träger gefordert seien, den Prozess der Qualitätsentwicklung und der Qualitätssicherung in ihren Einrichtungen zu initiieren und ihren Leitungen entsprechende Ressourcen und Unterstützung zu gewähren.

Im Gebiet des Landkreises Aurich, so Weber weiter, besuchen zur Zeit 5.300 Kinder eine der 104 Einrichtungen; annähernd 97 Prozent eines Einschulungsjahrgangs haben – mit unterschiedlicher Besuchdauer – eine Kindertageseinrichtung besucht. Bei einer ersten Untersuchung der unterschiedlichen Träger im Jahre 2004 sei man auf sehr unterschiedliche pädagogische Standards in den einzelnen Einrichtungen gestoßen; fast 40 Prozent hatten kein Konzept, viele Einrichtungen arbeiteten nicht strukturiert mit Grundschulen, Eltern und dem Jugendamt zusammen, verfügten nicht über eine Fachberatung oder eine Supervision.

Der Landkreis Aurich, der 3,7 Mio. Euro für die vorschulische Erziehung bereitstellt, habe diese Zuschüsse 2007 erstmals an Qualitätsmerkmale wie Öffnungszeiten und Art der Einrichtungen geknüpft; für die Zukunft sei die Einführung eines Gütesiegels geplant, das die Qualität einer Einrichtung insbesondere für die Eltern transparenter machen werde.

Dieser Prozess solle im Vorfeld in einer Arbeitsgruppe möglichst breit diskutiert werden, ergänzte hierzu Jürgen Homann als Leiter der Kinder- und Jugendförderung beim Landkreis Aurich.

Christian Eilermann und Erika Geweke vom Fachdienst Tageseinrichtungen und Tagespflege des Nds. Kultusministeriums lobten einmütig das Engagement aus der Region für die Region; solche Fortbildungsveranstaltungen würden ansonsten fast ausschließlich zentral vom Kultusministerium angeboten. Gern habe man daher den Anstoß aus dem Landkreis Aurich aufgenommen und sich mit Referenten und dem entsprechenden Know-how eingebracht.

Die Wichtigkeit der vorschulischen Erziehung belegte Eilermann anhand einer aktuellen Bertelsmann-Studie, nach die Chance für Kinder mit Migrationshintergrund, später das Gymnasium zu besuchen, um 55 Prozent größer sei, wenn sie zuvor eine Kindertagesstätte besucht haben. Bei den Kindern von Eltern mit Hauptschulabschluss erhöhe sich die Chance auf einen späteren Besuch der Oberschule sogar um 83 Prozent. Bezeichnend sei deshalb auch folgender Satz einer Kindergartenleiterin: „Ich muss die Kinder nicht beschäftigen, aber ich muss wissen, was Kinder beschäftigt“.

Zwei Teilnehmerinnen an der Fortbildungsreihe fassten als ihre wesentlichsten Erkenntnisse zusammen, dass sie sich in ihrer Rolle als Leiterinnen bekräftigt und bestärkt fühlten, dass sie durch den Austausch mit anderen einen besseren Überblick bekommen hätten, dass sie ihre Arbeit jetzt besser strukturieren könnten und dann ihnen die Notwendigkeit der Qualitätsentwicklung und –sicherung deutlich geworden sei.

Als Wünsche an die Einrichtungsträger führten sie mehr Unterstützung in der Leitungsfunktion und mehr Autonomie an, ein Aufheben der Etatdeckelung, eine bessere Kommunikation und einen besseren Kommunikationsfluss, Begleitung und Unterstützung bei der Umsetzung der Qualitätsentwicklung und –sicherung in den Einrichtungen sowie die Anhebung der Erzieherinnen-Gehälter auf das Niveau der Grundschullehrer.