Fachtagung: Schonende Unterhaltung von Gewässern

Fachtagung: Schonende Unterhaltung von Gewässern

Wie könnte sie im Bereich der Marschen aussehen?

Die gemeinsame Sprache ist bei der schonenden Gewässerunterhaltung das A und O:

Das war eine Erkenntnis aus der gemeinsamen Veranstaltung von Landkreis Aurich, Entwässerungsverband Oldersum, Kommunaler Umwelt-AktioN U.A.N. und Wasserverbandstag e.V., die im Bürgerhaus Ihlow stattgefunden hat.

Knapp 130 Teilnehmer von Unterhaltungs- und Wasser- und Bodenverbänden, Kommunen und Lohnunternehmen waren der Einladung gefolgt, um sich einen Tag lang mit dem Thema „Schonende Unterhaltung von Gewässern – Wie könnte sie im Bereich der Marschen aussehen?“ zu beschäftigen.

Die Begrüßung erfolgte durch Amtsleiter Matthias Hayen vom Amt für Kreisstraßen, Wasserwirtschaft und Deiche des Landkreises Aurich, der einen kurzen Überblick über die Bedeutung der Gewässerunterhaltung in der Region gab. Die Gewässerunterhaltung umfasst nach dem niedersächsischen Wassergesetz sowohl die Erhaltung des ordnungsgemäßen Wasserabflusses als auch gleichberechtigt die Pflege und Entwicklung des Gewässers, wie Hayen ausführte. D.h. der Gewässerunterhalter hat sich um die Sicherstellung der Vorflut zu kümmern und gleichrangig die Gewässerökologie zu erhalten, wenn möglich sogar zu verbessern.

Die Zeiten, in denen Gräben immer und grundsätzlich komplett gemäht und geräumt wurden, seien vorbei, die aktuellen Anforderungen machen eine Abwägung erforderlich, auch um eine lebenswerte Umwelt für nachfolgende Generationen zu erhalten. Die rechtlichen Anforderungen gelten sowohl für die großen Flüsse, kleinen Bäche als auch Entwässerungsgräben, wenn sie die Grundstücke mehrerer Eigentümer entwässern, führte Wolfgang Zeiler vom Wasserverbandstag e.V. aus. Als Richtschnur für eine geänderte Unterhaltung kann dabei die Regel gelten: „So viel Eingriffe in das Gewässer wie (zum Wasserabfluss) nötig, so wenig Eingriffe wie möglich“, betonte er.

Dr. Nikolai Panckow von der Kommunalen Umwelt-Aktion referierte im Anschluss über wesentliche Grundlagen wasserwirtschaftlicher und ökologischer Anforderungen und legte dar, wie diese vereinbart werden können und appellierte an die Teilnehmer, Kompromissen und einer gewissen „Unordnung“ gegenüber offen zu sein.

Gabriele Stiller aus Hamburg berichtete in ihrem Vortrag über ihre Erfahrungen mit Marschengewässern in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen. Trotz einer schwierigen Hydraulik sind positive Veränderungen durch eine gezielte Umstellung der Unterhaltungspraxis vielerorts möglich und wünschenswert. Wie Erfahrungen aus Schleswig-Holstein gezeigt haben, kann auch in den oft als „schwierig“ bezeichneten Marschengewässern alleine durch Unterhaltung sogar die Zustandsklasse nach Wasserrahmenrichtlinie verbessert werden. Um eigene Erfahrungen zu sammeln sollte man dort beginnen, wo keine hydraulischen Einwände vorliegen und sie ergänzte, warum dieses Vorgehen sinnvoll ist. „So können die Selbstreinigungskräfte der Gräben und der Artenschutz gestärkt werden.“

Regionale Statementgeber legten nachfolgend ihre Sicht hinsichtlich schonender Gewässerunterhaltung dar.

Carl Noosten vom Landwirtschaftlichen Hauptverein für Ostfriesland führte aus, dass nur ein kleiner Teil von Gewässern 3. Ordnung regelmäßig unterhalten wird und hob die Möglichkeit hervor, ökologische Vorrangflächen an den Gewässerrand zu legen. Auch sprach er sich hinsichtlich des Artenschutzes dafür aus, dass die Landwirtschaft eine gewisse Sicherheit bei der Unterhaltung benötigt und merkte an, dass der Arbeitsalltag in der Landwirtschaft kaum Spielraum zur Erlangung von Spezialwissen lasse. Die Landwirtschaft müsse ihrerseits neue Begrifflichkeiten bezüglich Gewässerunterhaltung und Gewässer erlernen, um die an sie gestellten Anforderungen auch erfassen und erfüllen zu können.

Erwin Adams, Gemeinde Großefehn, sprach über die schonende Unterhaltung  aus Sicht der Kommunen. Mit dem Titel des Statements „Schon unterhalten?“ legte er dar, dass Unterhaltung behördlicherseits oft nachdrücklich eingefordert wird. Er regte aus kommunaler Sicht an, dass Schulungen etabliert werden könnten, um den Kenntnisstand bei den Unterhaltungspflichtigen entsprechend der neuen Anforderungen zu erweitern.

Adolf Wilken vom Entwässerungsverband Oldersum merkte an, dass in der Region schon sehr viel umgesetzt wird. Er stellte anschaulich verschiedene Kategorien der verbandlichen Unterhaltung vor, die je nach hydraulischen Anforderungen nur beobachtend, bei Bedarf punktuell, halbseitig oder intensiver unterhalten erfolgen.

Dorothea Buchholz und Andreas Wolf von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Aurich vermittelten einen Überblick über die gesetzlichen Rahmenbedingungen und die Anforderungen aus behördlicher Sicht. Sie stellen die Wichtigkeit des Informationsaustausches mit den Fachbehörden heraus und dass ein Informationsdefizit nicht von rechtlichen Verpflichtungen entbindet. Gerade für den letzten Punkt seien Schulungen eine gute Möglichkeit, Wissen zu vermitteln und im Austausch zu bleiben. Es wurde zudem ein Glossar zu Begrifflichkeiten und Vokabular in Aussicht gestellt, um mit einem einheitlichen Sprachbild Grundlagen des gemeinsamen Handelns und der Abstimmung in die Wege zu leiten.

Als Hilfe bei der anspruchsvollen Aufgabe der Gewässerunterhaltung wurde auch auf den Fachplaner zur Gewässerunterhaltung 3. Ordnung verwiesen, den die Kommunale Umwelt-AktioN U.A.N. im Rahmen des Projektes Wasserrahmenrichtlinien-InfoBörse mit finanzieller Unterstützung des Niedersächsischen Ministeriums für Umwelt, Energie und Klimaschutz entwickelt und gemeinsam mit dem Wasserverbandstag e.V. seit 2015 jährlich herausgibt.

Dr. Katrin Flasche von der Kommunalen Umwelt-AktioN UAN, die bereits die 13. Veranstaltung dieser Art in Niedersachsen moderierte, beeindruckte, inwieweit die vorgetragenen fachlichen  Inhalte bereits Einzug in die Unterhaltungspraxis der Region gefunden haben. Eine Zusammenfassung zusammen mit Heiko Albers vom Entwässerungsverband Oldersum und Präsident Wasserverbandstags rundete den vormittägigen Veranstaltungsteil ab.

Zur Einstimmung für die nachmittägliche Exkursion wurde ein vom Landkreis Aurich erstellter Film der vorjährigen Unterhaltungsarbeit gezeigt und von Frau Stiller und Dr. Panckow begleitend kommentiert. Mit detaillierten Hinweisen und Bewertungen zu den Arbeitsabläufen der maschinellen Unterhaltung wurden die Teilnehmer für die anschließende Exkursion sensibilisiert.

Dabei ging es mit dem Bus an ein Gewässer 3. Ordnung, wo verschiedene Konzepte für eine veränderte Unterhaltung unter Anleitung von Frau Stiller mit dem Mähkorb vorgeführt und diskutiert wurden. Direkt vor Ort ließen sich die Eindrücke des Vormittags vertiefen und offene Fragen klären.

Das Konzept dieser Veranstaltungsreihe wurde in einer landesweiten Arbeitsgruppe mit Vertretern des Niedersächsischen Umweltministeriums, des Wasserverbandstages und von Wasserverbänden, unteren Wasserbehörden, Städten und Gemeinden, des Niedersächsischen Landvolks, eines Fischereiverbandes, eines Ingenieurbüros und der Kommunalen Umwelt-AktioN U.A.N. erarbeitet. Weitere Veranstaltungen werden in den nächsten Jahren in anderen Regionen Niedersachsens folgen, aktuelle Hinweise und weitere Informationen zu dem Thema finden Sie unter www.wrrl-kommunal.de.