Der Landkreis Aurich sorgt für Lebensmittelsicherheit

Der Landkreis Aurich sorgt für Lebensmittelsicherheit

Von spektakulären Lebensmittelskandalen ist der Landkreis Aurich bislang verschont geblieben, berichtete Landrat Walter Theuerkauf bei der Vorstellung der Dienstleistung Lebensmittelüberwachung, die ein Teil des Veterinäramtes (Amt 39) ist. Amtsleiter ist Dr. Frank Pohlenz; sein Stellvertreter, Dr. Georg Ackermann, leitet den Bereich Lebensmittelüberwachung.

Denn auch im Landkreis Aurich werden trotz aller Kontroll- und Sicherheitsmechanismen in jedem Jahr in etwa 10 Betrieben gravierende Mängel entdeckt, die zu einer vorübergehenden Schließung führen. Das sind oft kleinere Gaststätten, die gegen Hygieneverordnungen verstoßen. Dahinter steckt aber meist kein böser Wille oder gar kriminelle Energie; vielfach sind die Betriebsinhaber schlichtweg überfordert, weil Faktoren wie Krankheit, Partnerschaftsprobleme oder eine wirtschaftliche Notlage sie aus der Bahn geworfen haben.

Im Kreisgebiet gibt es insgesamt 2.450 überwachungspflichtige Betrieben – vom kleinen Grillimbiss über Fleischerein und die Gastronomie bis zum EU-weit zugelassenen Fischverarbeitungsbetrieb. Die Zahl ist insbesondere durch die weiße Industrie so hoch. Im vergangenen Jahr wurden im Kreisgebiet 1.203 Kontrollen durchgeführt.

Im Bereich der Lebensmittelüberwachung sind neben Dr. Ackermann noch drei Lebensmittelkontrolleure, eine Auszubildende und drei Verwaltungskräfte eingesetzt. Dazu kommen 12 bis 15 nebenamtliche Kontrolleure, die als praktizierende Tierärzte bzw. Fleischkontrolleure insbesondere die in Ostfriesland immer noch stark verbreiteten Hausschlachtungen überwachen.

Die Lebensmittelkontrolleure entdecken bei ihren Kontrollen zwar immer kleinere Mängel, z.B. defekte Kühlschrankdichtungen, kaputte Fliesen, einen abblätternden Farbanstrich oder andere kleine bauliche Mängel. Die müssen dann in einer vorgegebenen Frist behoben werden; ggf. wird dabei eine Nachkontrolle angesetzt.

Neben der Begehung und der Sichtkontrolle der Lebensmittel produzierenden bzw. vertreibenden Betriebe werden Proben entnommen und Temperaturmessungen durchgeführt – und zwar sowohl die Temperatur der eingelagerten Waren im Kühlregal bzw. im Tiefkühlbereich als auch die vorgeschriebenen Temperaturen beim Erhitzen der Lebensmittel.

Dazu kommen noch Probenentnahmen aufgrund von gezielten Anforderungen des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES), die dann zu den staatlichen Untersuchungseinrichtungen geschickt werden müssen.

Hinweise darauf, dass etwas nicht in Ordnung ist, bekommt das Veterinäramt häufig auch von Verbrauchern, die Speisenproben abgeben. Jedem Verdacht wird nachgegangen. Doch nicht alle Anzeigen stellen sich als berechtigt heraus.

Die Lebensmittelüberwachung strebt stets ein kooperatives Verhältnis zu den einzelnen Betriebsinhabern an, zumal die Versorgung der Bevölkerung mit gesunder Nahrung das gemeinsame  Ziel ist. Viele Betriebsinhaber - vor allem Übernehmer und Existenzgründer – wenden sich deshalb bereits im Vorfeld ihrer Investitionen an das Veterinäramt, um gesetzliche Fragen zu klären. Bei Baugenehmigungen in solchen Betrieben müssen die Veterinäre ohnehin angehört werden.

Die Beratung der Betriebe nimmt denn auch einen Großteil der Tätigkeiten der Lebensmittelüberwachung ein. Insbesondere die Umstellung von nationalem Recht auf EU-Verordnungen hat zu einem deutlich höheren bürokratischen Aufwand geführt, obwohl die Gesetze gar nicht gravierend verschärft wurden. Die einzelnen Betriebe müssen heute aber jeden ihrer Schritte dokumentieren und z.B. selbsttätig Risikoanalysen erstellen.

Da diese Anforderungen nicht nur die großen Firmen mit einer industriellen Produktion betreffen, sondern jeden schlachtenden Betrieb, ist der Beratungsaufwand enorm, um die Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Ansonsten dürfen die kleineren schlachtenden Betriebe nach 2009 diese Tätigkeit nicht mehr ausüben und müssen sich auf das Zerlegen und Verarbeiten angelieferter Ware und den Vertrieb fertiger Produkte beschränken.

Die Lebensmittelüberwachung erfolgte bis Mitte 1978 durch die Ordnungsämter, die Überwachung der Lebensmittel tierischen Ursprungs durch die damalige staatliche Veterinärverwaltung bei den Bezirksregierungen; mit der Kommunalisierung der Veterinärverwaltung zum 01.07.1978 wurde dann den Landkreisen und kreisfreien Städten diese Aufgabe übertragen.

Dr. Georg Ackermann ist erst seit 1. November 2007 beim Landkreis Aurich tätig; zuvor war er vier Jahre beim Landkreis Wittmund tätig. Dr. Ackermann stammt gebürtig aus Greetsiel, ist 37 Jahre alt und unter der Durchwahl 04941 163915 telefonisch erreichbar.