Zweischaliges Mauerwerk

Die Kernfrage, die immer wieder diskutiert wird, dreht sich um die Feuchtebelastung für das gesamte Mauerwerk, also Verblendschale und Innenmauerwerk. In einer Untersuchung des Info–Kreises Bausanierung vom 25.06.2001 wurde dazu Folgendes ausgeführt:

  • Zweischaliges Mauerwerk hat sich seit gut 100 Jahren bewährt – besonders in Regionen mit hoher Schlagregenbelastung. Warum? Weil eine Belüftung eingebaut ist? Nein, sondern weil die beregnete Wetterschale und die (trocken zu haltende) thermische Hülle (Innenschale) voneinander getrennt wurden. Diese Trennung erfolgt durch Einbau eines Hohlraumes, den das eindringende Wasser nur überwinden kann, wenn es „fliegen“ könnte.
  • Was ändert sich, wenn nachträglich in diese Hohlschicht eine Kerndämmung eingebracht wird? Das Wasser kann noch weniger „fliegen“, es kann auch nicht „gesaugt“ (sorbiert) werden, da der Kerndämmstoff hydrophobiert ist, bei extrem schlechtem Schlagregenschutz der Fassade kann eine feinkörnige, nicht saugfähige Kerndämmung den Wasserdurchtritt sogar deutlich verringern.

In dieser Untersuchung wird weiter Bezug genommen auf einen Schlagregenversuch des Instituts für Ziegelforschung Essen aus dem Jahre 1968. Hier wurde an zwei 1,1 qm großen Versuchsaufbauten mit 5 cm Luftschicht ohne Verfüllung und mit Hyperlite-Verfüllung die jeweilige Feuchtebelastung der Wände untersucht:

Die Regendurchlässigkeit der Verblendschale ohne Verfüllung betrug 51,4 l, die Wasseraufnahme der Verblendschale 14,0 l. Demgegenüber betrug die Regendurchlässigkeit der Verblendschale mit Hyperlite–Verfüllung 6,4 l, die Wasseraufnahme der Verblendschale 12,3 l. Anschließend wurde der Feuchtegehalt der Hyperlite-Füllung gemessen: die Gesamtmenge der Wasseraufnahme betrug ganze 70 ml = 0,07 l. Weitere Untersuchungen des zweischaligen Mauerwerkes mit Kerndämmung wurden z.B. 1998 von Dr.Ing. Helmut Künzel vorgenommen. Seine Schlussfolgerung: Eine voll gedämmte Zwischenschicht ist unproblematisch und ermöglicht einen optimalen Wärmeschutz.

Die Kritik an der Verfüllung der Luftschicht ist meistens: das Fehlen der Belüftung, Behinderung des Wasserablaufes innen an der Vormauerung, Feuchteschäden und das Weiterleiten von Regenwasser an die Innenschale über die hydrophobierte Dämmung. Diese Vorurteile sind weit verbreitet. Allerdings kann niemand dafür verantwortliche Schadensursachen benennen oder dokumentierte Beispiele aufführen.

Die BBS–Sporthalle in Aurich hat bereits 1981 an den Außenwänden der Nebenräume ein zweischaliges Mauerwerk mit kompletter Verfüllung mit 7 cm starker Hyperlite–Kerndämmung erhalten. Bei der z.Zt. laufenden Sanierung wurde das Mauerwerk einer eingehenden Prüfung unterzogen; es waren keine Schäden durch Feuchte etc. festzustellen. Diese Konstruktion kann somit auf eine mittlerweile schadenfreie Zeit von 29 Jahren zurückblicken.

Den Schlitzen zur Be- und Entlüftung der Hohlschicht wird weitreichende feuchtetechnische Funktion zugesprochen. Sie sollen durch Luftzirkulation die schnellere Trocknung der Vormauerschale ermöglichen. Die Forschung fand jedoch einen anderen Vorzug der Vormauerschale: Sie ermöglicht das schnelle Trocknen, indem Sonnenwärme und Wind die von der dünnen Außenschale aufgenommene Schlagregenfeuchte nach draußen „absaugen“. Untersuchungen haben gezeigt, dass die Belüftung oder Nichtbelüftung der Hohlschicht keinerlei erkennbaren Einfluss auf den Feuchtegehalt der Vormauerschale hat. Da die Belüftung der Hohlschicht also keine Rolle spielt, kann das Verfüllen mit Kerndämmstoff auch nicht zum Mangel infolge fehlender Hinterlüftung führen.

Ordentlich verfugtes Sichtmauerwerk nimmt an einem Schlagregentag bis zu 4 Liter Wasser pro Quadratmeter auf. In der Regel findet die stärkste Befeuchtung dabei infolge des Winddrucks im oberen Teil der Wand statt. Bei intakter Verfugung ist auch bei längerem Schlagregen ein Wasserdurchtritt selten; denn bis zum Zustand der Sättigung kann ein Verblendmauerwerk rd. 30 – 40 l Wasser/qm aufnehmen. Erfahrungsgemäß gelangt nur rd. 1- 5 % der jährlichen Schlagregenmenge auf die Innenseite der Vormauerung. Beim rückseitigen Ablaufen in den weniger belasteten unteren Mauerbereich wird es von der trockenen Vormauerschale aufgesaugt. Bis zum Fußpunkt und den dort evtl. vorhandenen Entwässerungsöffnungen gelangt es praktisch nie. Dies kann jeder an seinem eigenen Haus überprüfen; denn bei einem möglichen Wasseraustritt müssten an den unteren Zuluftöffnungen Wasserablaufspuren zu erkennen sein.

Ein mit Kerndämmung versehenes Hohlschichtmauerwerk ist diffusionstechnisch unproblematisch. Die minimalen Tauwassermengen sind klein im Vergleich zur Regendurchfeuchtung, sie werden problemlos von der Vormauerschale aufgenommen und durch dessen  kapillare Trocknungsfähigkeit abgeführt.

Eine Schimmelbildung ist hingegen immer eine Folge von Luftfeuchte im Innenraum, die höher ist als es die jeweils vorhandene bauliche Situation zulässt. Neuralgische Punkte sind dabei die Wärmebrücken. Da nachträglich eingebrachte Kerndämmung einige Wärmebrücken nicht  beseitigen kann, ist sie nicht geeignet, vorhandene Schimmelschäden zu beseitigen. Im Allgemeinen wird die Situation durch die Kerndämmung günstiger, da die Oberflächentemperatur auf der Raumseite nicht nur in der Fläche ansteigt, sondern auch an den kritischen Stellen. Es muss jedoch im Einzelfall untersucht werden, welche Gegenmaßnahmen ggf. eingeleitet werden müssen.