Einschaliges Mauerwerk

Auf Grund eigener positiver Erfahrungen mit der nachträglichen Verfüllung der Hohlschicht bestehender Gebäude (Kerndämmung) soll hier darauf hingewiesen werden, welche Vorteile dieses Verfahren bietet. Insbesondere soll Hausbesitzern die immer noch weit verbreitete Skepsis gegenüber diesen Verfahren genommen werden.

Dass es heute kein Abenteuer ist, sich für eine als „althergebracht“ angesehene Konstruktion (einschaliges Mauerwerk) zu entscheiden, soll an dem Objekt „Neubau eines Werkraumes“ an der Förderschule Pewsum dargestellt werden.

Einschaliges Mauerwerk besteht aus Baustoffen, die gleichzeitig statische Funktionen übernehmen und dämmen, z.B. hochporosierte Ziegel, Blähton, Porenbeton oder Kalksandstein. Der in Pewsum verwendete Porenbeton stellt keine Wertung dar; es gibt andere gleichwertige Materialien, die Auswahl muss jeder Bauherr für sich alleine treffen. Vorteile dieser Bauweise: keine Feuchtigkeitsprobleme, ausreichender Schallschutz und Wärmespeicherung durch hohes Wandgewicht. Dass diese Gebäude gegenüber Verblendfassaden einer Wartung der Außenhaut bedürfen – der Anstrich und der Außenputz müssen intakt sein – ist wichtig und sollte bei der Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile einbezogen werden.


Möglicher Aufbau:

  • Innenputz
  • hochwärmedämmendes Mauerwerk (38 - 50 cm)
  • Außenputz

Ein Anspruch bei der Umsetzung des Projektes war, saubere und wohngesunde Materialien zu verwenden. Bei einer massiven Außenwand besteht darüber hinaus die Notwendigkeit, dass die Festigkeit der Materialien wegen der Dampfdiffusion von innen nach außen abnimmt. Diese Vorgaben gelten für eine bestimmte Diffusionsrichtung (vom hohen zum niedrigen Wasserdampfdruck in Pa), von warm nach kalt. Im Winter gilt damit die Richtung von innen nach außen, im Sommer dagegen von außen nach innen. Ein im Winter richtiger Schichtenaufbau ist, streng genommen, im Sommer falsch. Eine universelle, für das ganze Jahr geltende und richtige Konstruktion bietet somit die monolithische Konstruktion, d.h. die einschalige Bauweise.

Für das Projekt „Neubau Werkraum Förderschule Pewsum“ fiel die  Wahl auf Dämmsteine (Porenbeton) für die Außenwände und Kalksandsteine für die Innenwände. Porenbeton bietet ein ausgewogenes Verhältnis von Wärmedämmung zu Wärmespeicherung. Daraus ergibt sich ein ausgeglichenes und gesundes Raumklima. Beim Bau des Werkraumgebäudes wurde eine hoch wärmedämmende Gebäudehülle erstellt, ohne dass eine zusätzliche Wärmedämmung notwendig wurde. Eingesetzt wurden Dämmsteine mit einer Wanddicke von 48 cm. Bereits in der klassischen Wandkonstruktion mit 36,5 cm Wandstärke werden mit diesem Baustoff die seit 01.10.2009 gültigen Anforderungen der EnEV 2009 mit einem U-Wert von 0,23 W/mK unterschritten. Somit geht der hier erstellte Standard über die Anforderungen der EnEV 2009 hinaus und orientiert sich heute schon an den Vorgaben der z.Zt. entstehenden EnEV  2012.

Durch Einsatz massiver Baustoffe stehen hier z.B. gegenüber einem leichten Holzbau mehr Speichermassen zur Verfügung. Alles, was im Gebäude an Wärmeenergie entsteht oder über die Fenster solar eingestrahlt wird, wird in den Wänden zwischengespeichert und amplitudenverschoben wieder abgegeben. Dämmsteine bieten den Vorteil, dass die Einzelkomponenten des Systems genau aufeinander abgestimmt sind. Eine frühzeitige und enge Kooperation zwischen Planer und Hersteller gewährleistet, dass es keine Wärmebrücken und somit später keine Wärmeverluste an den konstruktiven Schwachstellen der Fenster- und Türöffnungen gibt.

Eine hohe Luftfeuchtigkeit nach Fertigstellung und ab Beginn der Nutzung entspricht dem üblichen Verhalten eines Massivbaus und ist in der ersten Heizperiode durch konsequentes Lüften zu beseitigen, evtl. unter zu Hilfenahme von Entfeuchtungsgeräten. Danach normalisiert sich dieser Effekt über einen Zeitraum von wenigen Jahren. In den Werkräumen der Förderschule wurden solche Geräte zu Beginn der Heizperiode im Oktober aufgestellt und bereits Anfang Dezember wieder entfernt.

Der Einsatz von Dämmsteinen erweist sich somit als wirtschaftliche, energieeffiziente, nachhaltige und ökologische Lösung. Die damit erstellte monolithische, hochwärmedämmende Gebäudehülle sorgt auch langfristig für niedrige Energiekosten.

Im übrigen gibt es für diese Bauweise jede Menge Vorbilder in Ostfriesland. Wer mit offenen Augen durch Dornum, Norden, Greetsiel und andere Ortschaften geht, entdeckt viele Gebäude, überwiegend ältere, die in dieser Bauweise erstellt wurden. Sie besitzen zwar nicht den mit heutigen Baustoffen erreichbaren hohen Dämmwert, jedoch gelten auch für sie die gleichen Vorteile in Bezug auf Diffusion, Schallschutz etc., wie zuvor beschrieben.