
Es gibt keine Krankheit, die weltweit so verbreitet ist wie die Karies oder Zahnfäule. Fast jeder erwachsene Mensch hat mindestens einen, von Karies befallenen Zahn, und bereits im Alter von sechs Jahren, beim Eintritt in die Schule, haben 80 Prozent der bundesdeutschen Kinder ein "Loch" im Zahn.
Dabei ist Karies eine Erkrankung, die bei richtigem Verhalten fast vollständig vermeidbar ist. Um sie wirksam zu verhüten, muss man allerdings wissen, wodurch und wie sie entsteht.
Erhalten die in der Mundhöhle lebenden Bakterien infolge mangelnder Reinigung Gelegenheit, auf den Zähnen mikrobielle Plaque zu bilden und wird ihnen häufig Zucker zugeführt, aus dem sich im Rahmen ihres Stoffwechsels - ihrer "Verdauung" - in der Plaque Säuren bilden können, so entsteht in bestimmter Zeit Karies. Die Säureproduktion geschieht relativ schnell: Nach zuckerhaltiger Nahrungsaufnahme ist bereits nach zehn Minuten die größte Säurekonzentration erreicht. Das ist der gefährliche Zeitfaktor, der hier im Spiel ist.
Karies beginnt an der Zahnoberfläche und breitet sich unter der Zahnoberfläche aus. Die Säuren "entkalken" zunächst den Zahnschmelz. Dabei entsteht nur ein weißer Fleck. Wenn über intensive Fluoridapplikation und Speichel keine "Remineralisation" stattfindet, bricht die Oberfläche des Zahnes ein und es entsteht ein Loch. In den Fissuren und Grübchen der Backenzähne kündigt sich Karies auch oft als bräunliche Verfärbung an.
Weder der weiße Fleck noch die dunkle Verfärbung müssen unbedingt behandelt werden, denn durch das Bohren beim Legen einer Füllung geht relativ viel gesunder Zahnschmelz unwiederbringlich verloren - ein unnötiger Verlust, denn der Zerstörungsprozess kann auch durch prophylaktische Maßnahmen (Fluoridierung und Remineralisation) gestoppt werden. Es ist jedoch in jedem Fall zu empfehlen, den Zahnarzt zu Rate zu ziehen.
Wenn der Zerstörungsprozess nicht gestoppt wird, schreitet die Karies weiter voran. Die typischen Zahnschmerzen treten allerdings erst auf, wenn die Karies das Dentin erreicht hat. Der Zahn reagiert dann empfindlich auf Wärme, Kälte, Süßes und Saures. Zu diesem Zeitpunkt ist der Erhalt des Zahnes noch relativ unproblematisch. Die durch die Karies entstandene Höhle wird ausgebohrt und mit einem Füllungsmaterial dicht verschlossen.
Wenn die Karies bis zum Zahnmark gelangt ist und es zu einer Entzündung des Marks kommt, entstehen unerträgliche, andauernde Schmerzen. Nach einiger Zeit stirbt das Zahnmark ab. Das tote Gewebe wird von Bakterien zersetzt. Der Zahnarzt spricht dann von einem "Gangrän". Über die Öffnung an der Wurzelspitze dringen Bakterien in die Wurzelhaut und den Knochen vor. Das umliegende Gewebe entzündet sich, und der Knochen wird abgebaut. Je nach Abwehrlage des Organismus kann es in diesem Stadium der Erkrankung durch Eiterbildung zur "dicken Backe" kommen. Eine einfache Reparatur des Zahnes ist dann nicht mehr möglich.
Saugerflaschenkaries: Eine Sonderform der Karies im Milchgebiss
Die Entstehung einer Karies läuft bei Milchzähnen und bleibenden Zähnen prinzipiell gleich ab. Aufgrund anatomischer Unterschiede und Besonderheiten in der Struktur der Zahnhartsubstanz schreitet die Karies im Milchgebiss allerdings viel schneller voran und erreicht früher das Zahnmark.
Mit Beginn der 80er Jahre wurde eine Sonderform der Karies bekannt: die "Zuckertee-Karies" (besser "Fläschchenkaries" oder "Saugerflaschenkaries"). Sie wurde begünstigt durch die Verbreitung von Saugerflaschen aus Kunststoff und die Verwendung stark zuckerhaltiger Instanttees. Die, gegenüber den bis dahin üblichen Gasflaschen, recht leichten und unzerbrechlichen Kunststoff-Flaschen konnte man den Kindern bedenkenlos in die Hand geben, was dazu führte, dass sie oft als Beruhigungsschnuller missbraucht wurden. Durch das ständige Umspülen mit dem süßen Getränk kam es zu einer rasanten kariösen Zerstörung, vor allem der oberen Frontzähne.
Warnzeichen vor Karies
- Im Spiegel sind kreidigweiße oder braune Stellen an den Zähnen zu erkennen.
- Mit der Zunge ertastet man scharfe Kanten an den Zähnen.
- Zähne reagieren empfindlich auf süße/saure und heiße/kalte Getränke.
- Zahnschmerzen treten auch ohne Kältereize auf. Jetzt wird es höchste Zeit für einen Zahnarzttermin!