
Die oben zitierte Feststellung wird hier zu Lande gern dem römischen Historiker Tacitus zugeschrieben. Der Friese singt aber dennoch, Ostfriesland ist sogar eine Hochburg der Kultur. Und so ist es denn auch letztendlich egal, von wem das Zitat tatsächlich stammt, bzw. ob es sich dabei überhaupt um eine historisch belegte Quelle handelt.
Viele der kulturellen Kleinode in der Region entdeckt man aber eben nur, wenn man etwas genauer hinsieht. Und das lohnt sich bei den angebotenen Veranstaltungen und Dauerausstellungen ebenso wie bei den noch zahlreich vorhandenen Baudenkmalen.
Eine der größten Kulturveranstaltungen ist der „Musikalische Sommer“ in Ostfriesland und Groningen, der jeweils im Juli und August weit über 30 Konzertveranstaltungen an wunderschönen Orten bietet.
Der Gründer und künstlerische Leiter des Musikalischen Sommers, der Auricher Professor Wolfram König, lädt zu diesem Festival in jedem Jahr erstklassige Solisten und Ensembles aus aller Herren Länder ein. Aufführungsorte der Konzertreihe, die einen Vergleich mit dem Schleswig-Holstein-Festival nicht scheuen muss, sind in erster Linie die großen romanischen Kirchen in Ostfriesland und im Groninger Land sowie Schlösser, Festsäle und einige Open Airs. Eine Besonderheit stellt das Angebot der Meisterklassen für den künstlerischen Nachwuchs in Aurich dar.
Neben diesem großen Festival werden weitere Konzertreihen und Einzelveranstaltungen angeboten, z.B. Klassikkonzerte mit Justus Frantz auf Norderney, Orgelkonzerte an der Arp-Schnitger-Orgel in der Ludgerikirche Norden, der Krummhörner Orgelfrühling, das Dollart-Orgel-Festival in Emden und Weener und Kirchenmusik an vielen Orten.

Erwähnt werden sollen hier auch die größtenteils in plattdeutscher Sprache gegebenen Aufführungen der zahlreichen Heimatbühnen im Frühjahr und Herbst jeden Jahres. Im Sommer gibt es einige Freiluftaufführungen, und zwar in Marienhafe (Störtebeker), Dornum, Wiesmoor und in der Krummhörn.
Auch das Mehrzweckgelände in Aurich-Tannenhausen hat sich in den letzten Jahren einen Namen gemacht mit Open-Air-Konzerten, u.a. mit Peter Maffay, Nena, Fury in the Slaughterhouse und Carlos Santana. Und die Freilichtbühne Wiesmoor war schon Auftrittsort für die Scorpions, Chris de Burgh, Otto und die Ten Tenors aus Australien.
Einzigartig im Bereich der bildenden Kunst ist die Emder Kunsthalle mit der Stiftung Henri und Eske Nannen und der Schenkung Otto van de Loo – ein Besuch lohnt sich immer. Auf hohem Niveau bewegt sich auch die Sommerakademie der KVHS Norden mit ihren Kursangeboten im Juli und August. Ebenfalls eine lange Tradition haben die Ausstellungen der Greetsieler Woche, der Dornumer Kunsttage und der Mühlentage in Großefehn. Daneben gibt es zahlreiche weitere Ausstellungsorte in der Region: Galerien, Kunsthäuser, öffentliche Gebäude, Mühlen, Gaststätten, Banken und Sparkassen, das Kreishausfoyer selber, das Gesundheitsamt Aurich und weitere Orte.
Das internationale FilmFest Emden-Aurich-Norderney bringt jeweils Anfang Juni Regisseure, Schauspieler und Produzenten aus der ganzen Welt mit einem interessierten Publikum zusammen. Der große deutsche Nachkriegs-Schauspieler und Regisseur Bernhard Wicki war früher Dauergast des Emder FilmFestes, heute trägt der wichtigste Preis seinen Namen. An das FilmFest angedockt ist jetzt der inzwischen landesweite Schüler-Kurzfilmwettbewerb „Die Auricher Filmklappe“.
Ostfriesland hat also jede Menge Kultur, und der Friese singt auch. Allein im Ostfriesischen Sängerbund (OSB) sind über 100 Chöre mit rund 5.400 Sängerinnen und Sängern organisiert. Dazu kommen Kirchen- und Gospelchöre (sowie Posaunenchöre), Schulchöre, Chöre von Sport- und anderen Vereinen sowie natürlich insbesondere an der Küste viele Shantychöre.
Vielen dürfte vom Fernsehen und von den zahlreichen Live-Auftritten rund um den Globus der Auricher Shanty Chor noch gut bekannt sein, der in der „Ewigen Lampe“, einer gemütlichen Kneipe in der Kreisstadt Aurich, seine Heimat hatte.